Immunsystem

NATUR+PHARMAZIE 4/2020

Unterstützung fürs Immunsystem

Das Immunsystem muss den Körper vor zahlreichen schädlichen Einflüssen schützen, seien es Bakterien, Viren, freie Radikale, Stress, Abgase, UV-Strahlen etc. Nun steht die Grippesaison vor der Tür und gerade auch in Zeiten des Coronavirus Sars-CoV-2 ist eine Stärkung des Immunsystems und damit eine zugehörige Beratung in der Apotheke gefragter denn je.
Als Immunstimulanzien stehen unterschiedliche Produktgruppen mit entsprechender Darreichungsform zur Verfügung. Diese lassen sich grob untergliedern in Phytotherapeutika, Homöopathika und Schüssler Salze sowie Nahrungsergänzungsmittel.
 
Nahrungsergänzungsmittel
Zink
Zink gehört zu den essenziellen Spurenelementen, ist also für den Menschen lebenswichtig, kann jedoch vom Körper nicht selbst gebildet werden. Als Cofaktor und Bestandteil zahlreicher Metalloenzyme erfüllt Zink katalytische, strukturelle und regulatorische Funktionen und ist an nahezu allen Lebensvorgängen beteiligt, wie beispielsweise am Zellwachstum, der Wundheilung, an verschiedenen Stoffwechselvorgängen und bei der Fortpflanzung. Da Zink die Produktion der T-Killerzellen unterstützt, hat es darüberhinaus eine wichtige Funktion für das Immunsystem. Zink erfüllt ebenfalls als Antioxidans wichtige Funktionen. Um einem Mangel vorzubeugen, muss Zink regelmäßig über die Nahrung zugeführt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 7–10 mg. Da bereits ein leichter Zinkmangel eine eingeschränkte Immunantwort und damit erhöhte Infektanfälligkeit zur Folge haben kann, dient eine Zinksupplementation zur unterstützenden Abwehr vor viralen Infektionen.
Beispiele: Zinkorotat-POS® 40 mg, Unizink ®, Zinkletten Verla®, Curazink®, Zinkorot ® 25, Zinkit® u. a.
 
Selen
Selen ist essenzieller Bestandteil der Glutathionperoxidase, welche eine wichtige Funktion in der antioxidativen Abwehr und zum Schutz vor radikalischer Gewebeschädigung hat. Epidemiologische Studien weisen auf antikanzerogene und immunmodulierende Wirkungen hin, jedoch sind sich die Experten, was eine prophylaktische Anwendung anbelangt, noch uneinig. Die DGE empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 60- 70 μg pro Tag.
Beispiele: Cefasel®, selen-loges® u. a.
 
Vitamin D
Eine Hauptaufgabe ist bekanntermaßen die Regulation des Calcium- und Phosphathaushaltes und spielt damit für die Knochen- und Zahnmineralisation eine wichtige Rolle. Darüberhinaus wird Vitamin-D-Mangel in Zusammenhang mit Krebs- und kardiovaskulären Erkrankungen, Infektionserkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 sowie Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1, Multiple Sklerose und rheumatoide Arthritis, diskutiert. Die DGE empfiehlt bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr eine tägliche Einnahme von 20 μg (800 I. E.) Vitamin D, bei Säuglingen und älteren Menschen über 65 Jahren 10 μg (400 I.E.) täglich.
Beispiele: Vigantol®, Vitamin D3 Hevert®, Vigantolvit®, Dekristol® u. a.
 
Vitamin C
Die Ascorbinsäure ist als starkes Antioxidans von großer Bedeutung für die Immunabwehr, da sie die oxidative Selbstzerstörung der Phagozyten hemmt. Hohe Gehalte finden sich in frischem Obst und Gemüse. Vor allem Sanddorn, Acerola, Paprika und Johannisbeeren enthalten viel Vitamin C. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Einnahme von 95-110 mg Vitamin C.
Ein Mangel zeigt sich in Zahnfleischbluten, einer erhöhten Infektanfälligkeit, entzündeten Schleimhäuten und Leistungsabfall. Den aktuellen Studien nach lässt sich die Infektanfälligkeit durch Vitamin C nicht senken, jedoch kann mit der Einnahme die Schwere und Dauer einer Erkältung reduziert werden.
Beispiel: Cetebe® Abwehr plus (+Vit. D3, Zink).
Darüber hinaus befinden sich zur diätetischen Behandlung von nutritiv bedingten Immundefiziten auch fertige Komplexe aus Vitaminen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen im Handel. (Beispiel: Orthomol® immun)
 
Phytotherapeutika
Pflanzliche Immunstimulanzien wirken unspezifisch gegen Krankheitserreger. Ihre Wirkung basiert auf einer zellvermittelten Erregerabwehr im Anfangsstadium der Infektion, daher sollte die Einnahme bereits bei den ersten Erkältungsanzeichen begonnen werden. Wichtige Vertreter dieser Gruppe sind Zubereitungen (meist Frischpflanzensaft aus dem Kraut in flüssiger Zubereitung, Tabletten und Dragees) aus Echinacea purpurea (z.B. Echinacin®, Esberitox®) oder Echinacea pallida (z.B. Lymphozil® Lutschtabletten). Bislang war die Aussagekraft von Studien aufgrund der Qualitätsunterschiede der getesteten Zubereitungen eingeschränkt, allerdings konnte die Kommission E bereits für Echinacea purpurea eine Positiv-Monographie zur unterstützenden Behandlung bei rezidivierenden Infekten der Atemwege vergeben.
 
Alternative Heilverfahren
Homöopathische Zubereitungen werden bei Halsschmerzen, Fieber, Husten und Schnupfen eingesetzt. Diese können entweder einzeln als Globuli und Urtinkturen oder als kombinierte Zubereitungen aus beispielsweise Aconitum, Baptisia, Cephaelis ipecacuanha und Eupatorium (toxi-loges®) oder Atropa belladonna, Echinacea angustifolia, Aconitum und Eupatorium (Contramutan®) eingenommen werden. Weitere Komplexmittel, welche bei Erkältungskrankheiten Einsatz finden, sind Meditonsin® und Metavirulent®.
Von den Schüssler-Salzen gilt die Nr. 3, Ferrum phosphoricum, als das Mineralsalz des Immunsystems. Zur Immunkur empfiehlt sich die Kombination aus den Schlüssler-Salzen Nr. 3, 6 und 7. Wie auch bei den Homöopathika sollte die Einnahme bereits bei den ersten Anzeichen einer Erkältung erfolgen.
 
Pflanzliche Unterstützung bei Erkältungen
Zubereitungen aus Efeuextrakt (z.B. Prospan®) haben eine antitussive und mukolytische Wirkung. Sie enthalten alpha- Hederin, das den Hustenreiz dämpft und die Surfactantbildung steigert. Dadurch wird die Viskosität des Schleimes vermindert und er kann leichter abgehustet werden. Zudem wirken sie entzündungslindernd und bronchienerweiternd. Weitere pflanzliche Vertreter der Antitussiva sind Isländisch Moos (isla moos®), Malve und Eibisch (Phytohustil®). Ätherische Öle wie Thymol und Eugenol wirken spasmolytisch, Cineol (Soledum®) wirkt surfactantähnlich und Myrtol (Gelomyrtol ®) fördert den Abtransport des Schleims über die Zilien. Thymian (Tussamag®, Bronchipret ®) wirkt spasmolytisch und zugleich entzündungshemmend (Bronchicum®). Ebenfalls bei Atemwegsinfekten bewährt ist die Kombination aus Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzelpulver (Angocin®). Zur Behandlung von Sinusitis eignen sich Inhalationen mit Kamillenöl oder Kombinationen aus Pfefferminz-, Eukalyptus-, Fichtennadel-, Kiefernnadelöl, Menthol und Campher (Bronchoforton®, Pinimenthol ®; cave: Schwangerschaft und Stillzeit) oder pflanzliche Kombinationen zur Einnahme bestehend aus Primelblüten, Sauerampfer, Eisenkraut, Enzian und Holunderblüten (Sinupret®).
Quelle: Daniela Mackert: Apothekerin, Medizinjournalistin und Fachredakteurin mackert@gfi-online.de
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