Spannungskopfschmerzen, Migräne und Co. | Apotheken-Depesche 2/2016

Analgetika und gute Ratschläge für Kunden mit Kopfschmerzen

Zertifizierte Fortbildung

Kopfschmerzen gehören zu den häufigen Befindlichkeitsstörungen und sind daher ein wichtiges Beratungsthema in der Apotheke. Die Kunden erwarten die Empfehlung rasch und effektiv wirksamer sowie gut verträglicher Analgetika. Gute Ratschläge, was der Kunde zusätzlich tun kann, um seine Beschwerden zu lindern oder künftig zu vermeiden, runden die Beratung ab.

Zunächst muss im Gespräch abgeklärt werden, ob eine Selbstmedikation angezeigt ist. Insbesondere bei häufig auftretenden Beschwerden oder sehr starken Schmerzen sollte an den Arzt verwiesen werden. Dies gilt auch, wenn es sich vermutlich um so genannte Medikamenten-Übergebrauch- Kopfschmerzen handelt.

Spannungskopfschmerzen

Die häufigste Kopfschmerzart ist der Spannungskopf, der meist ohne erkennbare Ursache auftritt oder mit Wetteränderungen oder Stress in Verbindung gebracht wird. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) empfiehlt zur Selbstbehandlung von Spannungskopfschmerzen als Mittel der ersten Wahl

  • Acetylsalicylsäure (ASS) in einer Einzeldosis mit 1000 mg,
  • Ibuprofen in einer Einzeldosis von 400 mg,
  • Diclofenac in Einzeldosen von 12,5 mg bzw. 25 mg oder
  • die fixe Kombination von 500 mg Acetylsalicylsäure, 500 mg Paracetamol und 130 mg Coffein (Coffein verstärkt und beschleunigt die Wirkung von Analgetika).
In Verbindung mit den Aminosäuren Lysin bzw. Glycin soll die Magenverträglichkeit von ASS verbessert und die Resorptionsgeschwindigkeit erhöht sein. Dieser Effekt beruht auf der Lösungsvermittlung der Aminosäuren. Auch Ibuprofen steht in einer schnellwirkenden Zubereitung als Lysinsalz zu Verfügung.
Paracetamol gilt gemäß der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. als Mittel der zweiten Wahl in der Selbstbehandlung von Spannungskopfschmerzen. Die empfohlene Einzeldosis liegt bei 1000 mg.

Bei der Abgabe der Analgetika ist auf die befristete Dauer der Anwendung hinzuweisen. Zum einen sollte bei immer wieder auftretenden Kopfschmerzen die Ursache ärztlich abgeklärt werden, zum anderen besteht die Gefahr, durch eine dauerhafte Analgetika-Einnahme selbst Kopfschmerzen zu provozieren.

Migräne – anfallsartig auftretende Schmerzen

Schätzungsweise 10 bis 15% der Bevölkerung in Deutschland leiden an Migräne. Die Erkrankung tritt in Attacken auf, wobei die Schmerzintensität stark variieren kann. Der Schmerz ist typischerweise einseitig, klopfend, pochend, pulsierend. Schon bei leichter körperlicher Betätigung wird er stärker. Zusätzlich können Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und/oder Geräuschempfindlichkeit auftreten. Meist dauern die einzelnen Migräneattacken zwischen vier und 72 Stunden. Betroffene sollten die Beschwerden grundsätzlich einmal ärztlich abklären lassen. Handelt es sich tatsächlich um Migräne, ist in vielen Fällen eine Selbstmedikation möglich.

Zur Behandlung akuter Migräneattacken mit und ohne Aura sieht die DMKG folgen Wirkstoffe als erste Wahl an:

  • 1000 mg ASS, am besten in gelöster Form (Brausetabletten),
  • eine Kombination aus 250 mg ASS, 250 mg Paracetamol und 50 mg Coffein,
  • 400 mg Ibuprofen,
  • 2,5 mg Naratriptan,
  • 1000 mg Paracetamol und
  • 1000 mg Phenazon.

Triptane, wie Naratriptan und Almotriptan (im Rahmen der Selbstmedikation verfügbar), wirken schmerzlindernd, indem sie krankhaft weitgestellte Blutgefäße im Gehirn wieder verengen. Daneben hemmen sie die neurogene Entzündung und unterbrechen die zentrale Schmerzweiterleitung. Die Arzneistoffe sollten sofort bei Schmerzeintritt angewendet werden. Triptane dürfen in der Selbstmedikation nur eingesetzt werden, wenn die Migräne sicher diagnostiziert ist. Bei Gefäßerkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina pectoris) sind sie kontraindiziert.

Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen

Alternativ kann zur Behandlung von Kopfschmerzen Pfefferminzöl (Ol. menthae pip.) in 10%iger ethanolischer Lösung angewendet werden. Die Lösung wird auf Stirn und Schläfen aufgetragen. Offenbar tritt durch die Hautreizung eine entspannende und schmerzlindernde Wirkung ein. Bei Bedarf kann das Öl im Abstand von 15 Minuten mehrmals aufgetragen werden.

Auch Kinder häufig betroffen

Kopfschmerzen gelten als die häufigste Schmerzstörung im Kindes- und Jugendalter. Ursache können Hunger und Flüssigkeitsmangel sein, aber auch Müdigkeit, Fehlsichtigkeit oder eine genetische Veranlagung. Leichte Beschwerden lassen sich oft mit Trinken, einem nassen Tuch auf der Stirn oder – bei Kindern ab sechs Jahren – mit Pfefferminzöl-Lösung auf Stirn und Schläfen bessern. Von den OTC-Analgetika sind Paracetamol und Ibuprofen für die Anwendung bei Kindern zugelassen. Bei wiederholten Kopfschmerzen sollte ein Kinder- und Jugendarzt zu Rate gezogen werden.

Kopfschmerzen verhindern

Schon einfache Maßnahmen reichen oft aus, um Kopfschmerzen zu vermeiden, bzw. um leichten Beschwerden Herr zu werden. Dazu gehören beispielsweise ausreichende Flüssigkeitszufuhr, frische Luft, Entspannungsübungen usw. Zur Vermeidung von Migräneattacken können z. B. ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und das Vermeiden persönlicher Triggerfaktoren wie Rotwein, Schokolade u. a. sinnvoll sein. ais



Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

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