Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

NATUR+PHARMAZIE 3/2021

Den Teufelskreis unterbrechen

Die Pathophysiologie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist noch nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass das intestinale Mikrobiom sowie eine Fehlsteuerung des Immunsystems beteiligt sind. Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Christoph Becker von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat nun einen Mechanismus gefunden, der möglicherweise als Therapie bei entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden könnte.
Bei CED-Erkrankten sterben vermehrt Zellen in der Darmwand, die sogenannten Epithelzellen, ab. Daraufhin gelangen Bakterien aus dem Inneren des Darms in die geschädigte Darmwand, die dort Entzündungen hervorrufen. Diese Entzündungen wiederum führen zu einem weiteren Absterben von Epithelzellen. Die Darmbarriere, die Barriere zwischen dem Darminhalt und der Darmwand, wird durchlässiger. Mit zunehmendem Zelltod schreitet auch die Krankheit voran, denn in der geschädigten Darmwand siedeln sich weitere Bakterien an – ein Teufelskreis.
In Mäusen und an Geweben von Colitisulcerosa- Erkrankten zeigte sich, dass ein Botenstoff namens Prostaglandin E2 die Epithelzellen vor einer besonderen Form des Zelltods, der Nekroptose, bewahren kann. In den vergangenen Jahren hatten die Forscher:innen bereits zeigen können, dass die Fehlregulation der Nekroptose zu Zelltod und somit zu Löchern in der Darmbarriere führt. Prostaglandin E2 verhindert dies, indem es an auf den Epithelzellen vorhandene Rezeptoren mit der Bezeichnung EP4 bindet Je mehr dieser Rezeptoren aktiviert werden, umso weniger Zellen sterben ab. Patient:innen mit viel EP4 auf der Zelloberfläche zeigen einen milderen Krankheitsverlauf als Patient:innen mit wenig EP4. Die Aktivierung der Rezeptoren durch Prostaglandin E2 wirkt somit dem Fortschreiten der Darmentzündung entgegen. Gemeinsam mit Kolleg:innen in Kanada testeten sie ein künstlich hergestelltes Molekül, das wie Prostaglandin E2 den EP4-Rezeptor aktivieren kann. Tatsächlich konnte durch eine Behandlung mit diesem Molekül der exzessive Zelltod in der Darmbarriere verhindert werden und somit das Eindringen von Bakterien blockiert werden.
Quelle: Pantakar JV et al.: E-type prostanoid ... Nature Cell Biology 2021 https://doi.org/10.1038/s41556-021-00708- 8 / Pressemitteilung FAU Erlangen-Nürnberg
ICD-Codes: K50.9 , K51.9
Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x