Vitamin C

NATUR+PHARMAZIE 5/2011

Der gute alte Skorbut lebt!

Man sollte meinen, dass manifester Mangel an Vitamin C der Vergangenheit angehöre. Er kommt aber überraschenderweise auch in entwickelten Ländern relativ häufig vor.

Ein 30-jähriger Justizangestellter kam in eine orthopädische Abteilung in Birmingham wegen einer seit zwei Wochen bestehenden Schwellung des rechten Beins; er hatte auch blaue Flecken. Anamnese und Untersuchung waren nicht aufschlussreich. Das Hämoglobin (Hb) betrug 10,5 g/dl, die Thrombozyten waren normal. Eine tiefe Venenthrombose wurde ausgeschlossen. Verdachtsdiagnose: Ruptur des zweiköpfigen Wadenmuskels (M. gastrocnemius).

Zwei Wochen später wurde er erneut untersucht, nachdem der Hausarzt ein Hb von 3,7 g/dl festgestellt hatte. Er klagte über Atemnot; wiederholt war Nasenbluten aufgetreten. Von den Laborwerten fiel ein hoher D-Dimer-Wert auf. Nun fand man mittels Duplex-Doppler ein Hämatom im linken Unterschenkel. Trotz wiederholter Bluttransfusionen blieb das Hb niedrig. Bei der Gastroskopie sah man multiple Duodenalulzera; man startete eine Heli­cobacter-Eradikation.

Nach weiteren negativen Untersuchungen stellte man Skorbut zur Diskussion. Der Patient aß kaum Obst und Gemüse. Man setzte eine orale Supplementation von Vitamin C an. Das Hb stieg an, die verschiedenen Beschwerden verschwanden.

Bei solchen Patienten bestehen oft auch Defizite an anderen Nährstoffen. Wenn eine Hypophosphatämie vorliegt, kann es bei Aufnahme reichhaltiger Ernährung zu einem „Refeeding-Syndrom“ kommen. Es kann zu Multiorganversagen und zum Tod führen. Bei schlecht ernährten Patienten muss man deshalb die Elektrolyte im Auge behalten und Defizite ausgleichen. AL

Quelle: Choh CT: Unrecognised scurvy, Zeitschrift: BRITISH MEDICAL JOURNAL, Ausgabe 340 (2010), Seiten: 150-151
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