Phytotherapie

NATUR+PHARMAZIE 2/2020

Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf Heilpflanzen

„Planta Medica“ ist eine der führenden internationalen Fachzeitschriften auf dem Gebiet der Naturprodukte und Heilpflanzen. Nun erschien dort eine Warnung von Wissenschaftlern zu den negativen Auswirkungen des Klimawandels auf Heilpflanzen. Diese bilden die primären Heilsubstanzen für 70 bis 95 % der Bürger der meisten Entwicklungsländer.
Durch wechselnde Temperatur- und Niederschlagsbedingungen, Störungen des Zusammenlebens der Arten und Zunahme von Schädlingen und Krankheitserregern werden ihre Populationen aber zunehmend bedroht. Zusätzlich werden Heilpflanzen oft nicht nachhaltig geerntet. Ein weiteres Problem ist, dass einige Arten möglicherweise auf erhöhte Umweltbelastungen nicht nur mit Rückgängen in der Biomasseproduktion reagieren, sondern auch mit Änderungen des chemischen Gehalts. Dies kann möglicherweise die Qualität aber auch die Sicherheit von Arzneimitteln beeinträchtigen. Während in westlichen Ländern gute Möglichkeiten bestehen, die Zusammensetzung zu kontrollieren, ist dies in vielen ärmeren Regionen nicht der Fall. Gebirgsregionen werden in besonderem Ausmaß vom Klimawandel und seinen ökologischen Auswirkungen betroffen sein. Viele Heilpflanzenarten werden als wirksamer angesehen, wenn sie in höheren Regionen angebaut und geerntet werden, z.B. Busch Tee („bush tea“) (Athrixia phylicoides DC.), Kamille (Matricaria chamomilla L.) und Arnika (Arnica montana L.). Für Arnika zeigen experimentelle Studien, dass die Temperatur einen großen Einfluss auf die Inhaltsstoffe hat. Die Autoren empfehlen daher Maßnahmen zur Erhaltung und zum lokalen Anbau wertvoller Pflanzen, Nachhaltigkeitsprogramme für die Erntetechnik, Zertifizierung von Handelsmaterial, Erhaltung des traditionellen Anbauwissens, Programme zur Überwachung der Rohstoffqualität – zusätzlich zu den Anstrengungen, den Klimawandel abzuschwächen.
Quelle: Applequist et al. : Scientistsʼwarning on climate change and cedicinal plants. 2019 Planta Med; DOI https://doi.org/10.1055/a-1041-3406
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