Studie zur Darmflora

Naturmedizin 3/2022

Die Rolle des Darmmikrobioms bei Schlafstörungen

Die Insomnie ist durch Ein- und Durchschlafschwierigkeiten gekennzeichnet. Gleichzeitig spielt die Kommunikation zwischen Darm und Zentralem Nervensystem eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Schlafstörungen und psychischen Beschwerden bzw. Störungen. Eine aktuelle Studie untersuchte mit Insomnie zusammenhängende Veränderungen der Darmmikrobiota und ihre Verbindung mit Serummetaboliten.
Zhou et al. rekrutierten insgesamt 24 Insomnie-Patient:innen und 22 gesunde Kontrollpersonen.
Sie sammelten Kot- und Serum-Proben und untersuchten mit der Insomnie zusammenhängende Veränderungen in der Vielfalt, Struktur und der Zusammensetzung der Darmflora.
Insomnia-Patient:innen wiesen eine signifikante Reduktion im Bereich der Familie Bacteroidaceae, Familie Ruminococcaceae und der Gattung Bacteroides auf, zusammen mit einer signifikanten Erhöhung im Bereich der Familie Prevotellaceae und Gattung Prevotella – verglichen mit der Kontrollgruppe.
Die Gattungen Gemmiger und Fusicatenibacter waren dominant bei Insomnia- Patient:innen, während die Gattungen Coprococcus, Oscillibacter, Clostridium XI und die Familie Peptostreptococcaceae in der Kontrollgruppe dominant waren. Die Autor:innen identifizierten 97 signifikant erniedrigte Metaboliten und 74 signifikant erhöhte Metaboliten in den Serum-Proben von Insomnia-Patient:innen, die unterschiedliche Darmmikrobiota und Serum-Stoffwechselprofile im Vergleich zu Gesunden aufweisen. Die Veränderungen im Darmmikrobiota waren eindeutig mit spezifischen Serummetaboliten korreliert.
Kommentar
Die „Darm-Gehirn-Achse“ ist ein vielversprechendes neues Forschungsfeld und lässt neue Therapieoptionen aufscheinen. Das Mikrobiom interagiert mit dem Gehirn, beeinflusst z.B. Lernen, Angst und Stimmung und moduliert die Zellneogenese im Gehirn. Auch Nerven-, Immun- und Hormonsystem bilden Kommunikationskanäle. Präklinische und auch klinische Untersuchungen zeigen, dass bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen Veränderungen des Mikrobioms auftreten. Aber es ist noch unklar, inwieweit derartige Veränderungen mit ursächlich für diese Krankheitsbilder sind oder deren Folge. Verhalten, Erleben und Befinden und damit auch der Verlauf neurologischer Erkrankungen können gezielt durch Veränderungen des Mikrobioms, z. B. durch Probiotikagabe, beeinflusst werden.
Quelle: KZhou J et al.: Alterations in gut microbiota are correlated with serum metabolites in patients with insomnia disorder. Front Cell Infect Microbiol. 2022 Feb 17; 12: 722662. doi: 10.3389/ fcimb.2022.722662. PMID: 35252021; PMCID: PMC8892143.
ICD-Codes: G47.0
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