Kognitiver Abbau und Demenz

NATUR+PHARMAZIE 9/2008

Einige Antihypertensiva wirken protektiv

Antihypertensiva scheinen prospektiven Kohortenstudien zufolge das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen bzw. demenzielle Erkrankungen mindern zu können. Ob dies möglicherweise nur auf einzelne blutdrucksenkende Wirkstoffe zutrifft, wurde nun anhand der Auswertung großer, plazebokontrollierter Studien untersucht.

Aufgrund der enormen Inzidenz von Demenzerkrankungen – momentan sind weltweit rund 33 Millionen Menschen betroffen, im Jahr 2040 werden es schätzungsweise 81 Millionen sein – besteht die dringende Notwendigkeit, beeinflussbare Risikofaktoren für eine Demenz zu identifizieren. So scheint eine Hypertonie (arterieller Druck > 140 mmHg) im mittleren Lebensalter ein Prädiktor für ein späteres demenzielles Syndrom zu sein, und ihre Behandlung mit einer Verbesserung der kognitiven Prognose einherzugehen. Allerdings handelt es sich bei den meisten der Kohorten-Studien, die zu diesen Schlüssen führ- ten, nicht um plazebokontrollierte Untersu-chungen.

SCOPE und PROGRESS

Der Autor wertete daher jene vier Studien aus, bei denen ein kognitiver Outcome-Parameter gemessen wurde und zudem eine randomisierte Plazebokontrolle vorhanden war. Dabei handelt es sich um die Studien Systolic Hypertension in Europe (Syst-Eur), die Study on Cognition and Prognosis in the Elderly (SCOPE), die Systolic Hypertension in the Elderly Program (SHEP) und die Perindopril Protection against Recurrent Stroke Study (PROGRESS).

In Syst-Eur zeigte sich tatsächlich eine relative Reduktion der Inzidenz einer Demenzerkrankung um 50% gegenüber Plazebo, wenn mit Nitrendipin, Enalapril und/oder Hydrochlorothiazid behandelt worden war. Mit einem p-Wert von 0,05 wurde allerdings die Signifikanz um Haaresbreite verfehlt. In der PROGRESS-Studie wurde ein signifikanter Effekt festgestellt, wenn die Patienten eine Kombination aus Perindopril und Indapamid erhalten hatten: Die Risikorate für eine kognitive Verschlechterung gegenüber Plazebo betrug 19% (p = 0,01). In SCOPE und SHEP hingegen konnte für Candesartan oder Hydrochlorothiazid bzw. für Atenolol, Chlorthalidon oder Reserpin vs. Plazebo kein Schutz vor einer dementiellen Erkrankung gezeigt werden.

Schlechte Vergleichbarkeit

Obgleich diese Auswertung durch relativ kurze Studiendauern, hohe Drop-out-Raten und verschiedene Demenzdefinitionen kompliziert wurde, scheint sie die Annahme verschiedener Forscher zu bestätigen, dass unter den Antihypertensiva lediglich ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Blocker, Thiazid-Diuretika und Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker einen anti­dementiven Effekt haben. Diese These muss aber erst durch randomisierte prospektive Langzeituntersuchungen bestä­tigt werden, in denen verschiedene Klassen blutdrucksenkender Medikamente direkt miteinander verglichen werden. rf

Kommentar
?! Diese Daten lassen keine eindeutigen Aussagen zu, da die einzelnen Substanzen nicht direkt miteinander verglichen wurde. Weitere Untersuchungen sind nötig, um hier Klarheit zu schaffen.
Quelle: Poon, IO: Effects of antihypertensive drug treatment on the risk of dementia and cognitive impairment., Zeitschrift: PHARMACOTHERAPY, Ausgabe 28 (2008), Seiten: 366-375
Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x