Topische Kortikosteroid-Sucht

NATUR+PHARMAZIE 6/2016

Entzugserscheinungen erkennen

Topische Kortikosteroide können die Haut mancher Patienten regelrecht abhängig machen – v. a. bei dauerhafter Anwendung höherer Dosierungen im Gesicht oder Genitalbereich.

Patienten mit topischer Steroidsucht reagieren auf das Absetzen topischer Kortikosteroide (TCS) u a. mit Rötungen, brennenden Schmerzen und Nässen der Haut. Oft sind die Symptome stärker als die initialen Symptome, gegen welche das TCS verschrieben wurde. Unter fortgesetzter Kortikosteroid-Applikation erscheint die Haut mancher Patienten normal bzw. gut kontrolliert, anderen zeigen Atrophie oder Teleangiektasien.
Allgemein unterscheidet man bei der topischen Steroidsucht zwischen der erythem-ödematösen Form (meist bei Ekzempatienten) und der papulopustulären Form (meist bei Patienten mit Akne oder Pigmentstörungen). Für das Vorliegen einer TCS-Abhängigkeit spricht, wenn das Brennen der Haut das Hauptsymptom ist, die Rötung innerhalb von Tagen oder Wochen nach dem TCS-Absetzen auftritt und das topische Kortikosteroid über lange Zeit im Gesicht oder Genitalbereich angewendet wurde.
Juckreiz kann man mit oralen Antihistaminika bändigen, kalte Kompressen und ggf. Gabapentin helfen gegen den brennenden Schmerz. Bei manchen Patienten kann die Gabe schlaffördernder oder anxiolytischer Mittel sinnvoll sein. Auch orale Immunsuppressiva und Lichttherapie können helfen. Calcineurin-Inhibitoren und orale Antibiotika werden meist bei Patienten mit papulopustulärer Form der TCS-Abhängigkeit eingesetzt.
Vom adäquaten Einsatz topischer Kortikosteroide gemäß Indikation sollte das Risiko einer Steroidabhängigkeit aber nicht abhalten. Von einem häufigen oder langfristigen Gebrauch im Gesicht sollte man jedoch absehen und die Therapiedauer allgemein auf maximal zwei bis vier Wochen begrenzen. OH
Quelle:

Sheary B: Topical corticosteroid addiction and withdrawal – an overview for GPs. Aust Fam Physician 2016; 45(6): 386-8

ICD-Codes: F19.3
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