Husten, Schnupfen, Hals-, Kopf und Gliederschmerzen

NATUR+PHARMAZIE 6/2015

Erkältungsbeschwerden gezielt behandeln

Kaum fallen im Herbst die Blätter von den Bäumen, haben Erkältungen schon wieder Saison. Diese durch Viren hervorgerufenen Infektionen der oberen Atemwege sind zwar meist harmlos, doch können die zahlreichen Symptome den Betroffenen ordentlich zu schaffen machen.

Die wichtigsten Arzneistoffe zur Behandlung von Schnupfen sind Alpha-Sympathomimetika. Sie führen zu einer Vasokonstriktion der Schleimhautgefäße und sorgen so für eine verminderte Sekretion, ein Abschwellen der Schleimhäute und eine verbesserte Luftdurchgängigkeit. Dies verschafft dem Patienten nicht nur Linderung, sondern verhindert auch Komplikationen in den Nasennebenhöhlen.

Lokal werden vor allem Alpha-Sympathomimetika vom Imidazolintyp eingesetzt. Die Präparate dürfen maximal sieben Tage angewendet werden. In dieser begrenzten Zeit besteht keine Gefahr, dass sich medikamentös induzierter Schnupfen entwickelt. Campher, Cineol, Menthol und Eucalyptusöl erleichtern das Durchatmen bei Rhinitis. Isotonische Kochsalzlösung und Meersalzlösungen verflüssigen zähes Sekret und begünstigen den Sekrettransport.

Breites Angebot bei Halsschmerzen

Bei Halsschmerzen kann der Kunde je nach Vorliebe und Stärke der Beschwerden zwischen Lutschtabletten, Sprays bzw. Gurgellösungen und einer systemischen Therapie wählen. Insbesondere bei starken Schluckschmerzen bieten freiverkäufliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol schnelle Hilfe.

Topisch werden Lokalanästhetika wie Lidocain oder Benzocain sowie antibakteriell wirkende Lokalantiseptika eingesetzt. Dazu zählen quartäre Ammoniumbasen wie Cetylpyridiniumchlorid, Dequaliniumbromid und Benzalkoniumchlorid sowie Chlorhexidin und Hexetidin. Das Mukolytikum Ambroxol besitzt in hoher Dosierung eine ausgeprägte lokalanästhesierende Wirkung und wird deswegen auch als Lutschtablette zur Behandlung von Halsschmerzen angeboten. Ein weiterer Wirkstoff zur lokalen Anwendung ist Flurbiprofen, das antiphlogistisch und analgetisch wirkt.

Mit Pflanzenkraft gegen den Husten

Bei akutem Erkältungshusten ist ein Antitussivum wie Dropropizin, Pentoxyverin und Dextromethorphan über zwei bis drei, maximal sieben Tage empfehlenswert. Diese Arzneistoffe setzen die Häufigkeit und Intensität des Hustens herab, indem sie das Hustenzentrum im Stammhirn hemmen und/oder Rezeptoren im Bronchialtrakt blockieren. Zu den pflanzlichen Antitussiva zählen Sonnentaukraut und Schleimdrogen wie Eibischwurzel und Isländisch Moos. Sie mildern Hustenreize lokal, indem sie die Schleimhaut mit Pflanzenschleimen überziehen.

Expektorantien erleichtern das Abhusten des Bronchialsekrets. Die wichtigsten Expektorantien sind: Acetylcystein, Ambroxol, Bromhexin, Carbocistein, saponinhaltige Drogen und ätherische Öle. Efeuextrakt enthält Alpha-Hederin, das den Hustenreiz dämpft und zugleich den Schleim verflüssigt. Es steht also zwischen den Antitussiva und den Expektorantien.

Kombipräparate treffen oft Kundengeschmack

Manche Apothekenkunden wünschen ein Präparat gegen alle typischen Erkältungsbeschwerden. Doch hier muss hinterfragt werden, ob die Symptome tatsächlich gleichzeitig vorliegen – was beispielsweise auf Schnupfen, Hals- Kopf- und/oder Gliederschmerzen sehr häufig zutrifft. Husten tritt dagegen meist erst dann auf, wenn Schnupfen und Kopfschmerzen schon abklingen.
Ein Kombinationspräparat aus einem Antipyretikum/ Analgetikum mit einem Schnupfenmittel (Alpha-Sympathomimetikum) kann also durchaus sinnvoll sein. Allerdings ist Vorsicht geboten bei Risikopatienten, beispielsweise Menschen mit Hypertonie oder Herzerkrankungen.
Beratungswissen

Grenzen der Selbstmedikation

In diesen Fällen sollte der Erkältungspatient an den Arzt verwiesen werden:

  • keine Besserung nach drei Tagen
  • sehr starke Beschwerden
  • stark geschwollenen Lymphknoten
  • sehr starke Heiserkeit
  • Atembeschwerden
  • hohes oder anhaltendes Fieber
  • Hautsauschlag und himbeerrot verfärbte Zunge (Verdacht auf Scharlach)
ICD-Codes: J00
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