Nichtmedikamentöse Verfahren bei Lymphödem

Naturmedizin 4/2022

Finaler HTA-Bericht verglich die Effekte verschiedener Verfahren

Im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben Wissenschaftler:innen des Instituts für Evidenz in der Medizin am Universitätsklinikum Freiburg die Frage untersucht, ob sich durch nicht medikamentöse Verfahren die Symptome eines fortgeschrittenen Lymphödems lindern lassen. 4 Maßnahmen zeigten einen Nutzen für einzelne patientenrelevante Endpunkte.
Die 4 Maßnahmen sind: Kompressionstherapie (Kompressionsbandagen oder -armstrümpfe üben einen leichten Druck auf den Arm aus und erleichtern so den Abtransport der Lymphflüssigkeit aus den Lymphgefäßen); Heimprogramme (Betroffene führen nach professioneller Unterweisung zu Hause eigenständig bestimmte Bewegungs- und Atemübungen durch oder wenden Selbstmassagetechniken an), Operationen zum Lymphknotentransfer (mehrere Lymphknoten mit eigenem Blutgefäßsystem werden aus einer gesunden Körperregion entnommen und mit den Blutgefäßen in der erkrankten Lymphödem-Region verbunden); intermittierende pneumatische Kompression (mit einer an eine Pumpe angeschlossenen Manschette wird wechselnder Druck zum Beispiel auf einen Arm aufgebaut, um angestaute Flüssigkeit aus dem Arm zu drücken). Die vom IQWiG mit der Bewertung beauftragte Freiburger Expert:innengruppe untersuchte den Nutzen und Schaden sowie die Wirtschaftlichkeit nicht medikamentöser Behandlungen von fortgeschrittenen Lymphödemen (ab Stadium II) – unabhängig von ihrer Ursache. Zusätzlich berücksichtigte sie ethische, soziale, rechtliche und organisatorische Fragen. Dabei gilt die komplexe physikalische Entstauungstherapie aktuell als die Standardtherapie zur Behandlung von Lymphödemen. Sie besteht aus 5 verschiedenen Komponenten: der manuellen Lymphdrainage, der Kompressionstherapie, entstauungsförderndem Sport oder Bewegungstherapie, Hautpflege und Aufklärung beziehungsweise Schulungen zur Selbsttherapie. Die Freiburger Autor:innengruppe konnte 23 Studien identifizieren, in denen ein breites Spektrum an nicht medikamentösen Verfahren bei fortgeschrittenem Lymphödem untersucht wurde. Die meisten Studien (20 von 23) untersuchten Frauen mit Brustkrebs. Die Studien verglichen in der Regel Kombinationen von verschiedenen Interventionen wie manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbandagierung oder Sport miteinander.
Kommentar
Eine vollständige Nutzen-Schaden- Abwägung war in der Regel allerdings nicht möglich, da die wenigsten Studien unerwünschte Ereignisse erhoben. Außerdem untersuchten die identifizierten Studien nahezu ausschließlich Betroffene mit Arm-Lymphödem nach Brustkrebstherapie.
Quelle: Pressemitteilung:  Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Jens Flintrop
ICD-Codes: I89.0
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