Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie

NATUR+PHARMAZIE 1/2021

Individualisierte homöopathische Arzneimittel bei chronischer Rhinosinusitis

Chronische Rhinosinusitis (CRS) ist eine häufige Erkrankung, sie hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität von Betroffenen und verursacht daher hohe Gesundheitskosten. Eine indische Forschergruppe gibt die Zahl von schätzungsweise 134 Millionen indischen Patienten an. Obwohl wenig Evidenz für die Anwendung von Homöopathie bei CRS vorhanden ist, ist sie bei den Patienten sehr beliebt, sicher auch, da sie die Selbstheilungskräfte stimulieren sollen.

Die Forscher haben in einer Studie die Wirksamkeit von Arzneimitteln mit individualisierter Homöopathie (IH bei Patienten mit CRS mittels einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie zu untersuchen.
Die Studie wurde am National Institute of Homeopathy, Westbengalen, Indien als Vorstudie mit 62 eingeschlossenen Patienten durchgeführt. Primäres Ergebnismaß war der Fragebogen Sino-nasal Outcome-Test-20 (SNOT-20, liegt auch in deutscher validierter Adaption vor). Sekundäre Ergebnisse waren der EQ-5D-5L-Lebensqualitätsfragebogen inkl. der visuellen Analogskalen. Mit fünf numerischen Bewertungsskalen (0-10) wurde die Intensität von Niesen, Rhinorrhoe, Post-nasal-drip-Syndrom, Gesichtsschmerzen / -druck und Störung des  Geruchssinns bewertet. Die  Messungen wurden zu Studienbeginn und nach dem zweiten und vierten Monat der Intervention durchgeführt. Gruppenunterschiede und Effektgrößen wurden anhand einer Intention-to-Treat-Probe berechnet.
Die Gruppen waren laut den Autoren zu Studienbeginn vergleichbar. Die Ausfallrate betrug insgesamt 6,5 % (Interventionsgruppe: ein Patient, Placebogruppe: drei Patienten). Obwohl die Verbesserungen sowohl der primären als auch der sekundären Endpunkte in der Interventionsgruppe höher waren als in der Placebo-Gruppe, waren die Gruppenunterschiede bei kleinen bis mittleren Effektgrößen statistisch nicht signifikant. Calcarea carbonica, Lycopodium clavatum, Schwefel, Natrum muriaticum und Pulsatilla nigricans waren die am häufigsten verschriebenen Mittel. Für beide Gruppen berichteten die indischen Wissenschaftler von keinen Nebenwirkungen, homöopathischen Erstverschlimmerungen oder schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse.
Misra et al. schlussfolgern daher vorsichtig, dass es nur eine kleine, aber nicht signifikante Wirkungsrichtung zugunsten der Homöopathie gab. Sie empfehlen daher weitere strenge Studien und unabhängig durchgeführte Replikationen, um eventuell zu klareren Ergebnissen zu gelangen.

Quelle:

Misra P et al.: Individualized homeopathic medicines in chronic rhinosinusitis: Randomized, double-blind, placebo-controlled trial. 2020.
Homeopathy. Aug 31. doi: 10.1055/s-0040-1715842.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x