Phytotherapeutische Strategien

NATUR+PHARMAZIE 4/2022

Immun Booster bei mildem und moderatem COVID-19-Verlauf

Die Winterwelle rollt. Die COVID-19-Pandemie geht mit erheblicher Morbidität und Mortalität einher. Obwohl eine COVID-19-Impfung verfügbar ist, sind therapeutische Optionen daher weiterhin dringend erforderlich. Forschung hierzu kann schon mit Fallstudien und Fallserien anhand der eigenen Patient:innen anfangen. Eine naturheilkundliche Arztpraxis hat jetzt eine kleine Studie durchgeführt, mit dem Ziel, die Behandlungsstrategie bei mildem und moderatem COVID-19-Verlauf retrospektiv zu überprüfen.
Barber et al. haben bei 30 Patient:innen einer ländlichen, naturheilkundlich aus- gerichteten Praxis mit leichter und mittelschwerer COVID-19-Diagnose eine retrospektive Krankenaktenüberprüfung durchgeführt.
 
Intervention
Die Patient:innen wurden mit Nahrungsergänzungsmitteln, Phytotherapie und einer probiotischen Behandlung versorgt: Vitamine und Mineralstoffe, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Kräuter und Kräuterextrakte, Kurkuma, Probiotika, Aminosäuren. Die Patient:innen nahmen die Nahrungsergänzungsmittel nicht nur im Hinblick auf COVID-19 ein, sondern für eine breite Palette von gesundheitlichen Problemen, einschließlich Herz- Kreislauf- und Verdauungsbeschwerden. Kurkuma war das am häufigsten eingesetzte Phytotherapeutikum.
Den Patient:innen wurde ein kommerziell erhältliches Kräuterprodukt empfohlen, das verschiedene Inhaltstoffe enthielt: Echinacea purpurea, Rhizom und Wurzel von Hydrastis canadensis, Wurzel von Inula helenium, die ganze blühende Pflanze von Spilanthes Acmella, Kraut von Eriodictyon californicum, Wurzel von Armoracia rusticana, Rhizom von Zingiber officinale, Frucht von Sambucus nigra, Blütenspitzen von Achillea millefolium und Wurzel von Baptisia spp. in 54–64 % Alkohol (Zuckerrohr), destilliertem Wasser und pflanzlichem Glycerin („Rapid Immune Boost“ von Herb Pharm). Wenn dieses Produkt nicht verfügbar war, wurde den Patient:innen ein Präparat mit ähnlichen Bestandteilen empfohlen. Aus Sicherheitsgründen wurde einer schwangeren Patientin kein Kräuterpräparat verschrieben. Als Alternative entschied sich die schwangere Patientin, Sambucus nigra (Holunder) einzunehmen, zubereitet als Sirup. 14 Patient: innen nahmen bereits Kräuterpräparate mit antiviralen Eigenschaften zuhause ein und entschieden sich dafür, diese stattdessen einzunehmen.
 
Ergebnisse
Primärer Outcome der Studie war die Behandlungssicherheit; zweitrangige Outcomes waren Änderungen der Symptome, Fortschreiten der Erkrankung zu schwerem COVID-19, Inzidenz von Long-COVID und die Genesungszeit.
Die Autor:innen beobachteten keine durch die Behandlung verursachten Nebenwirkungen oder unerwünschten Ereignisse. Bei allen Patient:innen kam es zu einem Verschwinden der COVID- 19-Symptome. Ein Patient, der schon 28 Tage krank war, bevor er sich in der Praxis vorstellte, wurde ins Krankenhaus eingeliefert. 5 Patient:innen hatten eine Krankheitsdauer von mehr als einem Monat.
 
Schlussfolgerung
Die Autor:innen schlussfolgern, dass ihr Therapieansatz für leichtes und mittelschweres COVID-19 gut verträglich zu sein scheint. Verzögerungen bei der Suche nach einer Behandlung nach Beginn der Symptome sowie mehr Symptome bei Vorstellung in der Praxis, korrelierten mit einer längeren Krankheitsdauer. Diese Behandlungsstrategie kann einen klinischen Nutzen haben, der prospektive Studien mit bestätigten COVID-19-Fällen rechtfertigt.
Quelle: Barber MS et al.: A naturopathic treatment approach for mild and moderate COVID-19: A retrospective chart review. Complement Ther Med. 2021 Dec; 63: 102788. doi: 10.1016/j. ctim.2021.102788. Epub 2021 Nov 6. PMID: 34748955; PMCID: PMC8570825.
ICD-Codes: U07.1
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