Neurodermitis

NATUR+PHARMAZIE 6/2015

Konsequente Basistherapie verhindert Ekzemschübe

In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Menschen mit Neurodermitis stark angestiegen, im Kindesalter ist es heute die häufigste chronische Erkrankung. In Deutschland sind etwa 10% aller Vorschulkinder betroffen. Aber auch Erwachsene leiden unter der dermatologischen Erkrankung. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa vier Millionen Menschen mit Neurodermitis. Entsprechend häufig ist die Hauterkrankung Thema im Beratungsgespräch. Frischen Sie deshalb ihr Beratungswissen auf.

Neurodermitis, auch als Atopisches Ekzem bezeichnet, ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, deren Ursache auch heute noch nicht vollständig geklärt ist. Vermutet wird eine genetische Prädisposition, die in Kombination mit Umweltfaktoren zum Krankheitsausbruch führt. Außer Frage steht, dass das Immunsystem in der Pathogenese eine entscheidende Rolle spielt. In der Haut werden vermehrt Zytokine ausgeschüttet, die Entzündungszellen wie T-Zellen anlocken. Gleichzeitig exprimieren verstärkt bestimmte Hautzellen auf der Zelloberfläche IgE-Antikörper. Werden aufgrund einer allergischen Reaktion IgE gebildet und binden diese an die Rezeptoren, so kommt es zur Aktivierung von T-Zellen und weiteren Immunreaktionen.

Die Erkrankung manifestiert sich meist schon im Kindesalter: Etwa 60% der Betroffenen erkranken in den ersten zwölf Lebensmonaten, 90% bis zum fünften Lebensjahr. Bei vielen bessern sich die Beschwerden ab dem 7. Lebensjahr oder in der Pubertät.

Wechselndes Beschwerdebild

Charakteristisch für die Neurodermitis ist eine gestörte Barrierefunktion der Haut. Sie beruht auf einem Mangel an Feuchthaltefaktoren und Lipiden in der Haut, einer eingeschränkten Talgdrüsenfunktion und einer verminderten Schweißsekretion. Die Haut ist meist extrem trocken und schuppig, reagiert auf verschiedenste Reize entzündlich und neigt zu Infektionen. Hauptsymptom der Neurodermitis ist ein oft unerträglicher Juckreiz.
Während im frühen Kindesalter (0 bis 2 Jahre) Ekzeme im Bereich des Gesichts, der Kopfhaut sowie an den Streckseiten von Armen und Beinen dominieren, finden sich Hautveränderungen später vor allem an Stirn, Augenlidern, Hals, an den großen Gelenkbeugen sowie auf dem Handrücken. Häufig kommt es zu einer Vergröberung der Hautfaltung und einer Verdickung der Oberhaut.

Der Verlauf der Neurodermitis wechselt zwischen Krankheitsschüben unterschiedlicher Schwere und beschwerdefreien Intervallen. Als Provokationsfaktoren für einen akuten Schub kommen u. a. Pollen, Hausstaubmilben und Tierhaare in Betracht. Kleidung aus kratzender Wolle oder schweißtreibendem Synthetikmaterial sowie zu enge Bekleidung irritieren die Haut ebenfalls. Auch psychische Stresssituationen sind typische Auslöser von Neurodermitis-Schüben. Aus diesem Grund profitieren Patienten häufig von Entspannungstechniken und psychotherapeutischen Maßnahmen. Nahrungsmittelallergien können eine Neurodermitis verschlechtern, umgekehrt führen diätetische Maßnahmen häufig zu einer Besserung der Symptome. Ein Neurodermitis- Tagebuch kann dem Patienten beziehungsweise seinen Eltern helfen, die individuell relevanten Faktoren herauszufinden.

Reize vermeiden und Schutz aufbauen – die Basistherapie

Die Therapie stützt sich auf zwei Säulen: Vermeidung der Provokationsfaktoren (soweit möglich) und konsequente Hautpflege. Ziel dieser Basistherapie ist es, den transepidermalen Wasserverlust zu vermindern, eine Schutzbarriere aufzubauen, die Hornschicht zu hydratisieren und den Hautlipidmantel zu stabilisieren. Dadurch wird gleichzeitig ein juckreizstillender Effekt erzielt.
Die Basistherapie muss an den Hautzustand angepasst sein: Bei trockener Haut sind fette Salbengrundlagen (Wasser-in-Öl-Emulsionen) empfehlenswert, bei weniger trockener Haut hydratisierende Öl-in-Wasser-Emulsionen. Das Präparat wird in der Regel mehrmals täglich täglich aufgetragen. Die wichtigsten Feuchthaltefaktoren in der Basistherapie sind Harnstoff, Glycerin und Sorbitol.
Zur Hautreinigung sind synthetische waschaktive Substanzen (Syndets) sinnvoll, da Alkaliseifen die Haut stark entfetten und ein höheres Irritationspotenzial haben. Menschen mit Neurodermitis wird empfohlen, sich nur kurz und nicht zu heiß zu duschen, um möglichst wenig Lipide aus der Haut herauszulösen. Wer Baden bevorzugt, sollte dem Badewasser immer ein medizinisches Badeöl zusetzen.
 

Therapie im akuten Schub

Im akuten Schub richtet sich die ärztlich verordnete Therapie nach der Schwere der Symptome: Zur Auswahl stehen vor allem Antiseptika, Glukokortikoide, topische Calcineurin- Inhibitoren und Immunsuppressiva beziehungsweise Phototherapie und bei bakteriellen Superinfektionen Antibiotika. Gezielt gegen den Juckreiz wird häufig das Lokalanästhetikum Polidocanol eingesetzt. Nässende Ekzeme können mit synthetischen Gerbstoffen behandelt werden. Diese wirken reizlindernd und leicht antimikrobiell.
Orale Antihistaminika mit H1-Rezeptor-blockierender Wirkung werden häufig unterstützend angewendet. Der Einsatz beruht auf der Annahme, dass Histamin für die Entzündung und den Juckreiz bei Neurodermitis mitverantwortlich ist. Dabei wird die sedierende Wirkung älterer Antihistaminika als positiver Begleiteffekt eingeschätzt, um die Nachtruhe trotz Juckreiz sicherzustellen. ais
Gut zu wissen

Basistherapie – so geht´s

  • Auch während schubfreier Zeiten sollte die Haut von Kindern und Erwachsenen mehrmals täglich mit geeigneten Präparaten eingecremt werden.
  • Die Pflegepräparate sollen zum einen viel Feuchtigkeit enthalten, andererseits aber auch Fett, um zu vermeiden, dass zu viel Wasser aus der Haut verdunstet und die Haut austrocknet.
  • Bei der Auswahl eines bestimmten Präparates sollte darauf geachtet werden, dass keine Duft- und Konservierungsstoffe enthalten sind.
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