Luftverschmutzung

NATUR+PHARMAZIE 1/2021

Nanopartikel in den Hirnstämmen junger Menschen

Man kann davon ausgehen, dass 90 % der Weltbevölkerung verschmutzte Luft atmet. Nun wurden im Rahmen einer aktuellen Studie winzige Luftverschmutzungspartikel in den Hirnstämmen junger Stadtbewohner entdeckt. Sie sind eng mit molekularen Schäden verbunden, wie sie bei der Alzheimer- und Parkinsonkrankheit (AK, PK) auftreten. Was bedeutet dies für die Gesundheit?

Die Forscher fanden sehr viele Nanopartikel (NP) in den Hirnstämmen von 186 jungen Menschen aus Mexiko-Stadt, die zwischen 11 Monaten und 27 Jahren plötzlich gestorben waren. Die NP waren eng mit abnormalen Proteinen verbunden, die für AK, PK und Motoneuronerkrankungen kennzeichnend sind. Diese Proteine wurden nicht im Gehirn von altersentsprechenden Menschen aus weniger verschmutzten Gebieten gesehen. Durchdringende, in der Luft und in der Umwelt befindliche, metallreiche und magnetische NP können ein gemeinsamer Nenner für 4-fach fehlgefaltete neurodegenerative Proteinpathologien sein, von denen Städter seit frühester Kindheit betroffen sind. Die Substantia nigrae ist ein sehr frühes Ziel, und Magen-Darm-Trakt und das neuroenterische System sind wahrscheinlich wichtige Hirnstammportale. Die endgültige neurale Schädigung und Neuropathologie (einschließlich AK, PK- und TDP-43-Pathologie) kann von den NP-Eigenschaften und dem unterschiedlichen Zugang und den Zielen abhängen, die über ihre Eintrittsportale erreicht werden.

Die Autoren schlussfolgern: Wo die Menschen leben, welchen Luftschadstoffen sie ausgesetzt sind, was sie inhalieren, was sie essen, wie sie reisen und welche beruflichen Belastungen sie ausgesetzt sind, ist entscheidend für die Risiken der Neurodegeneration.

Quelle: Calderón-Garcidueñas L et al.: Quadruple abnormal protein aggregates in brainstem … key brainstem portal. Environ Res. 2020 Sep 1: 110139. doi: 10.1016/j.envres.2020.110139
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