Hefen, Lakto- und Bifidobakterien

NATUR+PHARMAZIE 8-9/2014

Probiotika bei Darmbeschwerden

Die Darmflora hat zahlreiche wichtige Aufgaben. Probiotika – bestimmte Mikroorganismen, die sich wie die physiologische Flora im Darm ansiedeln – werden deshalb z. B. zur Stimulation des Immunsystems sowie zur Prophylaxe und Therapie von Durchfallerkrankungen eingesetzt.

Die natürliche Darmflora besteht aus 10 bis 100 Billionen Keimen. Die Anteile der verschiedenen Bakterienstämme werden beeinflusst von Alter und Lebensstilfaktoren (z. B. Ernährung, Stress) sowie von bestimmten Erkrankungen und Medikamenten (z. B. Antibiotika, Protonenpumpenhemmer).

Darmflora unterstützt die Abwehr

Die Darmflora hat vielfältige Aufgaben: Sie baut für den Menschen unverdauliche Inhaltsstoffe der Nahrung, wie Ballaststoffe ab. Des Weiteren bildet die Darmflora Vitamin K, Vitamin B12, Pantothensäure, Folsäure sowie Biotin und trägt damit zur Vitaminversorgung des Organismus bei. Indem die physiologische Darmflora die Oberfläche der Darmwand besiedelt, verhindert sie die Anlagerung fremder, möglicherweise pathogener Keime. Zudem stimuliert sie die Schleimproduktion der Mukosazellen und fördert auf diesem Weg die rasche Ausscheidung fremder Keime. Einige Stoffwechselprodukte der natürlichen Darmflora, wie Milchsäure oder Wasserstoffperoxid, wirken antimikrobiell. Zudem bilden einige Bakterienspezies Toxine, die die Zellwandsynthese anderer Bakterien hemmen. Die Darmflora unterstützt auch indirekt die Abwehr eindringender Keime, indem sie die Produktion von Bakteriziden und antimikrobiellen Peptiden in den Darmepithelzellen anregt. Eine weitere wichtige Aufgabe der Darmflora ist die Stimulation und Regulation des darmassoziierten Im- munsystems.

Gesundheitsförderde Probiotika

Probiotika sind Mikroorganismen, die sich im Darm ansiedeln und dort ähnlich wie die physiologische Darmflora gesundheitsfördernde Effekte entfalten können. Probiotische Arzneimittel enthalten klar definierte Stämme mit nachgewiesener Wirksamkeit. In erster Linie werden Lakto- und Bifidobakterien eingesetzt, aber auch nicht- pathogene Escherichia coli-Stämme und Enterococcus faecalis. Als probiotische Hefen findet ein Saccharomyces-Stamm Verwendung, der unter den Bezeichnungen S. boulardii bzw. S. cerevisiae geführt wird. Die meisten Studien zur Wirksamkeit von Probiotika wurden mit Lactobacillus rhamnosus, Echerischia coli Stamm Nissle 1917, der Hefe Saccharomyces boulardii und einem bestimmten Bakteriengemisch durchgeführt. Die überzeugendsten Daten liegen bisher für folgende Einsatzgebiete vor: infektiöse Durchfallerkrankun- gen, Prophylaxe von Antibiotika-induziertem Durchfall, Colitis ulcerosa (Remissionserhalt) und Allergieprävention bei Neugeborenen. Darüber hinaus gibt es Anzeichen dafür, dass Probiotika das Immunsystem positiv stimulieren und einer Obstipation entgegenwirken.

Probiotika und Therapie bzw. Prophylaxe von Durchfall

Eine große Metaanalyse zeigte, dass die prophylaktische Einnahme von Probiotika das Risiko für Durchfälle reduzieren kann: Antibiotika-assoziierte Durchfälle gingen um 35 bis 65%, Reisedurchfälle um 6 bis 21% und sonstige Durchfälle um 8 bis 53% zurück. Insgesamt wurde das Risiko akuter Durchfälle bei Kindern um 57% und bei Erwachsenen um 26% gesenkt. Beim Auftreten einer akuten Diarrhö können probiotische Bakterien die Krankheitsdauer offenbar um durchschnittlich einen Tag reduzieren, wenn sie zu Beginn der Erkrankung eingenommen werden. Am besten ist die therapeutische Wirksamkeit bei Diarrhö bisher für Laktobazillen-Stämme dokumentiert. Auch der Einsatz von Probiotika in der Therapie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist intensiv untersucht worden. Während bei Mor- bus Crohn bisher keine überzeugenden Effekte gefunden wurden, lässt sich die Colitis ulcerosa offenbar positiv beeinflussen. Probiotika können das Wiederaufflammen eines entzündlichen Prozesses verhindern bzw. hinausschieben, also eine Remissionsphase verlängern. Sie scheinen dabei ähnlich effektiv zu sein wie der Standardarzneistoff Mesalazin. Im akuten Krankheitsschub der Colitis ulcerosa ist dagegen keine Wirksamkeit von Probiotika belegt. Probiotika fördern auf verschiedene Weise den Weitertransport des Darminhalts: Sie stimulieren über ihre Stoffwechselprodukte die Darmperistaltik und erhöhen die Stuhlmasse, was über Dehnungsreize wiederum stimulierend auf die Darmbewegung wirkt. Probiotika sind somit auch eine Therapieoption bei chronischer Obstipation.

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