Paraphenylendiamin-Allergie

NATUR+PHARMAZIE 3/2017

Vorsicht mit Haarfärbemitteln

Viele semipermanente und permanente Haarfärbemittel – vor allem die dunkleren Farbtöne – enthalten Paraphenylendiamin (PPD), das zu allergischen Reaktionen mit teilweise schweren Komplikationen führen kann. Besonders gefährdet sind Friseure, aber auch (ehemalige) Träger eines Henna-Tattoos.

In Kombination mit einer Oxidations-Entwicklersubstanz sorgt PPD für eine lang anhaltende schwarze Pigmentierung des Haars. Durch den Oxidationsprozess wird PPD in der Epidermis aber gleichzeitig in ein allergenes Hapten umgewandelt.
Topische Exposition mit PPD führt zunächst zu einer Sensibilisierung, die beim darauf folgenden Haarefärben zu einer Kontaktallergie führt. Da PPD häufig auch in transienten Henna-Tattoos enthalten ist, ist das Risiko einer Sensibilisierung für Träger eines solchen Tattoos besonders hoch, auch lange nach Verblassen der Hennabilder.
Typische Manifestationen einer PPD-Kontaktallergie sind Pruritus, Rötungen und vesikuläre, manchmal bullöse Dermatitis. Neben dem Kopfhautansatz können auch Gesicht und Ohren betroffen sein, vor allem bei Männern, die ihren Bart färben. Die Kopfhaut selbst ist selten sichtbar entzündet. In schweren Fällen können sich an Gesicht und Augenlidern Ödeme, Blasen und Exsudat bilden. Einige Patienten reagieren auch mit Photosensibilität. Erste Symptome treten bei nicht-sensibilisierten Personen i. d. R. erst nach einer Latenzzeit von vier bis 14 Tagen auf (bei Personen, die durch ein Henna-Tattoo sensibilisiert wurden, nach ein bis drei Tagen).
Goldstandard in der Diagnose einer Haarfärbemittel verursachten Kontaktallergie ist ein epikutaner Patch-Test mit 1% PPD, der nach zwei und vier Tagen ausgelesen wird. Erste Maßnahme bei der Therapie betroffener Patienten ist das Absetzen der auslösenden Haarfarbe. Bei akuter, schwerer Kontaktdermatitis sollten Kopfhaut und Haar gründlich mit einem Seifensubstitut von Farbrückständen gereinigt werden. Gelegentlich ist der Einsatz topischer Kortikoide oder kurzzeitig von oralen Kortikoiden erforderlich. Bei sekundärer Hautinfektion sind orale Antibiotika notwendig. Zur Reduktion des Juckreiz können orale Antihistaminika erwogen werden.
Auf das Haarefärben gänzlich verzichten wollen die meisten Patienten nicht. Am sichersten ist es daher, auf PPD-freie oder pflanzliche Haarfarben umzusteigen. Bei beidem gilt es allerdings, auf mögliche beigemengte kreuzreakive Inhaltsstoffe zu achten. Semipermanente Haarfärbemittel enthalten zwar weniger PPD, lösen aber dennoch häufig Reaktionen bei sensibilisierten Personen aus. 57% aller Betroffenen kommen mit PPD-freien Haarfärbemitteln gut zurecht. Aufgrund des Risikos einer Kreuzreaktivität sollten Patienten vor dem Färben der Haare zunächst die Verträglichkeit der PPD-freien Farbe im Rahmen eines Patch-Tests absichern. Sofort auswaschbare Tönungen sind in der Regel sicher.
Darüber hinaus sollte man allen Patienten, die sich die Haare färben wollen, raten, sich die Inhaltsstoffe genau durchzulesen und die Verträglichkeit vor der Applikation stets an einer kleinen unauffälligen Körperstelle zu testen. Mit Vaseline kann man den an die Kopfhaut angrenzenden Bereich vor Kontakt mit der Farbe schützen. Beim Auftragen synthetischer Haarfarben sollte jede Person, insbesondere aber Friseure, Handschuhe tragen, um den Kontakt mit PPD zu vermeiden. OH
Quelle:

Mukkana KS et al.: Para-phenylenediamine allergy: current ... J Asthma Allergy 2017; 10: 9-15

ICD-Codes: L23.5
Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x