Nebenwirkungen | NATUR+PHARMAZIE 1/2020

Warum Betablocker entzündliche Schuppenflechte auslösen können

Wissenschaftler der Universität Bonn und der Freien Universität Berlin haben nun eine mögliche Ursache gefunden, warum Betablocker Hautentzündungen auslösen oder verstärken können. Die Ursache für das Phänomen war bislang unbekannt.

Die aktuelle Studie, erschienen in der  renommierten Fachzeitschrift Autophagy, bringt Licht ins Dunkel: Demnach können Betablocker augenscheinlich den Abbau defekter Zellbestandteile stören. Im Gegenzug setzen die Zellen dann Botenstoffe frei, die immunvermittelte entzündliche Reaktionen auslösen. In diese Richtungen deuten zumindest Experimente mit Zellkulturen.
Die Wissenschaftler hatten dabei einen Wirkstoff namens Propranolol unter die Lupe genommen. Unabhängig vom eigentlichen Wirkmechanismus, der Blockade von Betarezeptoren, verdankt er seine entzündungsfördernden Nebenwirkungen vermutlich der Kombination zweier Eigenschaften: „Propranolol ist fettlöslich und zugleich leicht alkalisch“, erklärte Prof. Dr. Günther Weindl vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn. Dank seiner Fettlöslichkeit kann der Wirkstoff Biomembranen durchqueren – das sind dünne fettähnliche Häutchen, die die Zellen und manche ihrer Bestandteile umschließen.
Der zweite Punkt sorgt dagegen dafür, dass Propranolol sich in saurer Umgebung positiv auflädt. In diesem Zustand kann die Substanz dann nicht mehr durch die Membran zurück. Problematisch wird diese Kombination bei einem Vorgang, den Experten Autophagie nennen. Dabei nutzen Zellen Bläschen aus Biomembranen als eine Art „Gelben Sack“, in dem sie defekte Proteine und andere Zellbestandteile verpacken. Der Sack verschmilzt dann später mit einem zweiten Membranbeutel, dem Lysosom. Dieses enthält zersetzende Enzyme, die den Inhalt des „Gelben Sacks“ zerlegen und die einzelnen Bausteine wieder in die Zelle abgeben – ein perfektes Recycling. Die Flüssigkeit im Lysosom ist leicht sauer, denn nur in diesem Milieu können die Enzyme ihre Arbeit verrichten.
Wenn daher ein Propranolol-Molekül per Zufall seinen Weg durch die Membran in den Beutel findet, wird es positiv geladen und sitzt in der Falle. Mit der Zeit sorgt dieser Effekt dafür, dass sich immer mehr Propranolol im Lysosom anhäuft. Das wiederum verändert eine Reihe von Prozessen in der Zelle, sie schüttet Entzündungsbotenstoffe aus, vor allem das sogenannte Interleukin-23, das hauptsächlich von Immunzellen abgesondert wird.

Quelle: Müller G et al.: Lysosomotropic beta blockers induce oxidative stress and IL23A production ...Autophagy 2019; doi: 0.1080/15548627.2019.1686728 /www.idw-online.de
ICD-Codes: L40.9

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