Welches Enzym bei welcher Nahrungsmittelintoleranz?

NATUR+PHARMAZIE 4/2021

Enzymmangel als Therapiebaustein bei Magen-Darm-Beschwerden

Viele Patient:innen leiden unter Verdauungsbeschwerden. Häufig reagieren sie mit Blähungen, Bauchschmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten auf bestimmte Nahrungsmittel und schlussfolgern, dass sie unter einer Nahrungsmittelallergie leiden. Viel häufiger als echte immunologische Reaktionen auf Lebensmittel sind aber Intoleranzen, wie die in Bezug auf Fruktose oder Laktose. Auslösend bzw. beteiligt ist oft ein Enzymmangel.
Bevor ein Therapieversuch starten kann, ist zunächst das auslösende Lebensmittel zu identifizieren. Hier haben die Betroffenen meist schon selbst eine Ahnung, wenn nicht sogar die Antwort. Durch Symptombeobachtung und Eliminationsdiät erkennen sie häufig schnell, was sie nicht vertragen können.
 
Laktoseintoleranz
Der Grund für eine Laktoseintoleranz (LI) mit Symptomen wie Blähungen, Bauchschmerz, Übelkeit, Durchfall oder auch unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen ist letztlich immer ein Mangel des Enzyms Laktase.
Häufiger als eine angeborene LI ist die erworbene (sekundäre) Laktoseintoleranz, die in jedem Alter auftreten kann. Laktase wird normalerweise von den Schleimzellen im Dünndarm produziert. Bei Menschen mit LI ist die Laktaseproduktion durch eine Schädigung der Darmschleimhaut reduziert. Die Laktose (Milchzucker) wandert ohne Laktase unverändert in den Dickdarm, wo sie von verschiedenen Bakterien verstoffwechselt wird. Die dabei anfallenden Abfallprodukte (u. a. Wasserstoff, Methan, Kohlendioxid) lösen dann die typischen Symptome aus. Der Laktasemangels kann durch chronischentzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, Magen-Darm-Infektionen, Störungen des intenstinalen Mikrobioms, aber auch echte Nahrungsmittelallergien, wie die Glutenunverträglichkeit (Zöliakie), entstehen.
Neben der Behandlung der zugrundeliegenden Ursachen, also durch eine antientzündliche Therapie und / oder einen gezielten Aufbau der Darmflora kann die gezielte Gabe des fehlenden Enzyms Laktase ein Therapieansatz sein.
 
Glutensensivität
Ist eine Zöliakie, also die Immunreaktion auf Gluten und das Enzym Gewebetransglutaminase, oder eine Weizenallergie, ausgeschlossen, spricht man von „Nicht- Zölliakie-Glutensensivität“ (NCGS). Die Pathophysiologie der NCGS ist nicht eindeutig geklärt, aber vermutlich sind neben Gluten auch andere Getreidebestandteile wie ATI (Amylase-Trypsin- Inhibitoren) und FODMAP (fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole) für die Symptome verantwortlich. Gegen die typischen intestinalen Beschwerden hilft eine glutenfreie Diät. Diese ist aber schwer einzuhalten und kann langfristig zu Mängeln führen.
Ein Ansatz zur Besserung der Beschwerden kann die Gabe von Endopeptidase und Exopeptidase darstellen, die beim Abbau von Gluten beteiligt sind.
 
Fruktoseintoleranz
Die hereditäre Fruktose-Intoleranz kommt nur sehr selten vor. Hier fehlt dem Körper das Enzym Fructose-1-Phosphat-Aldolase. Die Krankheit äußert sich schon bei Babys. Viel häufiger ist die Fruktosemalabsorption, die bezeichnet, dass nur eine bestimmte Menge Fruchtzucker im Darm aufgenommen werden kann. Bei zu viel Fruchtzucker reagieren viele Menschen mit Durchfall und Blähungen. Eine Fruchtzuckerunverträglichkeit wird durch den Atemtest mit Fruchtzucker festgestellt. Das Enzym Xylose-Isomerase (auch Glucose-Isomerase genannt) soll bei der Fruktosemalabsorpotion helfen, da es Fructose in Glucose umwandeln kann.
 
Histaminintoleranz
Histamin ist ein biogenes Amin und hat wichtige und vielfältige Aufgaben im Organismus. Histamin kann aber zur Überreaktion führen. Dies ist keine Allergie auf Histamin. Ein Mangel oder eine Fehlfunktion des körpereigenen Enzyms DiAminOxidase (DAO) sind die Auslöser der Histaminintoleranz. Die Symptome sind vielfältig und können mitunter heftig ausfallen: Hautausschlag, Atembeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Migräne können mit der Aufnahme von histaminreichen Lebensmitteln wie Tomaten, Rotwein oder gereiftem Käse einhergehen. Auch Stress und körperliche Belastungen können einen Histaminüberschuss auslösen. Nicht nur der Mangel an DAO selbst kann ein Problem sein, auch die Unterdrückung des Enzyms durch Alkohol oder Medikamente können den Histaminabbau verringern. Neben einer histaminarmen Ernährung kann Betroffenen die zusätzliche Einnahme von DAO helfen.
ICD-Codes: K90.4
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