Häufig psychische Komorbidität | Apotheken-Depesche 9/2010

Ess-Störungen "revisited"

Die Symptome einer Ess-Störung können extreme diätetische Einschränkungen, Binge Eating und überwertige Vorstellungen zu Gewicht und Figur umfassen. Häufig gehen sie mit psychiatrischen Störungen einher.

Ess-Störungen reichen von restriktiven Verhaltensweisen beim Essen über Symptome, die dem Binge Eating zuzuordnen sind und solche, die „body checking“ oder „body avoidance“ betreffen, bis hin zu den physischen von Amenorrhö bis Kältempfindlichkeit. Als „purgative behaviour“ gelten dabei selbstinduziertes Erbrechen, Spucken und Missbrauch von Laxanzien, Diuretika, Diätpillen etc.

Psychiatrische Komorbidität ist eher die Regel als die Ausnahme. Über Entwicklungsstörungen bei Anorexie in ca. 20% wurde berichtet (z. B. autistisches Spektrum, ADHD). Zwanghafte Züge oder Zwangs- bzw. Angststörungen sowie einige Borderline-Züge fanden sich vor und nach dem Beginn der Ess-Störung (auch in der Familie). Bulimie und Binge Eating sind mit affektiven Störungen, Alhohol- und Substanzmissbrauch assoziiert.

Ess-Störungen sind bei jungen Menschen häufig (Jungen und Mädchen von neun bis 14 Jahren in USA 7,1 bzw. 13,4%). Die Lebenszeitprävalenz beträgt bei Erwachsenen für Anorexie, Bulimie und Binge Eating ca. 0,6; 1 und 3%.

Weibliches Geschlecht gilt als der stärkste Risikofaktor. Wieviel davon biologisch oder sozial bedingt ist, ist unklar. Studien lassen vermuten, dass bei den drei Störungen der Erblichkeitsanteil 50 bis 83% beträgt. Nach ebenso begrenzten Daten haben Ess-Stö­rungen, Depression, Angststörungen und Suchterkrankungen etwa ein Drittel des genetischen Risikos gemeinsam.

Die meisten Ess-Störungen entstehen in der Adoleszenz, einer Zeit der Reorganisation des Gehirns. Malnutrition in dieser kritischen Zeit kann die Krankheitskurven negativ beeinflussen. Hungern bringt das Gehirn zum Schrumpfen und ist mit vielen Verhaltens- und psychosozialen Störungen assoziiert wie Rigidität, emotionaler Dysregulation und sozialen Schwierigkeiten. SN

Quelle: Treasure, J: Eating disorders, Zeitschrift: THE LANCET, Ausgabe 375 (2010), Seiten: 583-593

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