Kinder mit ADHS | Apotheken-Depesche 7/2011

Komorbide Erkrankungen haben Folgen

Kinder, die an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden, weisen eine hohe Rate an komorbiden Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen oder Ängste auf. Dies kann ihre ohnehin verringerte Lebensqualität zusätzlich stark beeinträchtigen. Im ­Center for Healthier Children, Families and Communities in Los Angeles wurden jetzt die Muster von Komorbidität, Funktionsniveau und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen bei einer großen Zahl US-amerikanischer Kinder mit ADHS untersucht. Nur die Minderheit wies keine Komorbidität auf.

In der populationsbasierten Querschnittsstudie wurden mithilfe sowohl bivariater als auch multivariater Analysen die Daten aus dem Jahre 2007 von 61 799 Kindern im Alter von sechs bis 17 Jahren aus dem National Survey of Children ́s Health ausge- wertet. Die auf Interviews mit den Eltern basierenden Angaben wiesen 5028 Kinder mit ADHS aus und damit eine hohe Prävalenz von 8,2%.

Normale kindliche Aktivitäten durch ADHS eingeschränkt

Bei den ADHS-kranken Kinder zeigte sich eine höhere Wahrscheinlichkeit für Ein- schränkungen „normaler” kindlicher Aktivitäten (Odds Ratio: 4,14) sowie für Schulprobleme wie Klassenwiederholung oder Eltern-Lehrergespräche (OR: 5,8) und für eine schlechte Eltern-Kind-Kommunikation. Kinder mit ADHS wiesen (nach einem speziell entwickelten Fragenkatalog) auch eine geringere soziale Kompetenz auf und verhielten sich außerdem in der Elterneinschätzung nach einem Stress-Index (0–12) deutlich „problematischer” in der Erziehung.

Psychische Komorbidität häufig

Gleichzeitig zeigte sich wie erwartet eine höhere Wahrscheinlichkeit für weitere psychische Krankheiten und Entwicklungsstörungen: Eine jegliche Komorbidität lag bei 66,9% der ADHS-kranken Kinder vor, aber nur bei 11,5% der Vergleichsgruppe (adjustiertes relatives Risiko: 5,12). So litten 46% der Kinder mit vs. 5% ohne ADHS unter einer Lernbehinderung. 27 vs. 2% wiesen eine Beziehungsstörung, 18 vs. 2% Ängste, 14 vs. 1% eine Depression und 12 vs. 3% Sprachprobleme auf.

Darüber hinaus waren auch Krampfanfälle, Erkrankungen des autistischen Formerkreise sowie das Tourette-Syndrom jeweils häufiger. All diese Unterschiede waren signifikant (p < 0,05), die relativen Risiken lagen größtenteils zwischen dem Vier- und Achtfachen. Alter und Geschlecht der Kinder spielten dabei keine maßgebliche Rolle.

Die Kinder mit ADHS hatten zu 33% eine, zu 16% zwei und zu 18% drei oder mehr Erkrankungen. Das Risiko, unter drei oder mehr komorbiden Krankheiten zu leiden, war bei den Kindern aus armen Familien 3,8 mal höher als bei jenen mit wohlhaben- den Eltern – das Verhältnis betrug 30% zu acht Prozent.

Psychische Komorbidität häufig

Schlechtes Funktionsniveau bei höherer Komorbidität

Das Funktionsniveau der Kinder im Alltag (in Bezug auf beispielsweise Schule, Freunde oder Familie) war mit steigender Anzahl der komorbiden Erkrankungen graduell verschlechtert. Dagegen stieg die Inanspruchnahme von Gesundheits- und Beratungseinrichtungen sowie die Notwendigkeit für eine stärkere Koordination der verschiedenen Behandlungsmaßnahmen und Betreuungsteams mit einer größeren Komorbidität an. JGB

Quelle: Larson K: Patterns of comorbidity, functioning, and service use for US children with ADHD, Zeitschrift: PEDIATRICS, Ausgabe (2011)

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