Eine Sache der Definition | Apotheken-Depesche 4/2019

Nicht nur dick, sondern krank!

Übergewicht bzw. Adipositas ist definiert als überschüssiges Körperfett, das aus einer gestörten Regulation der Energiebalance resultiert und zahlreiche Komplikationen zur Folge hat. Würde man die Adipositas offiziell als eine Erkrankung definieren, könnte dies – so hoffen Experten – dafür sorgen, dass mehr Patienten sich an ihren Arzt wenden, statt von einer fragwürdigen Diät zur nächsten zu stolpern.
Aus der Sicht von Prof. John Wilding, Liverpool, und Vicki Mooney, Vorstandsmitglied der European Coalitition for People living with Obesity der European Association for the Study of Obesity, Teddington, UK, ist es längst Zeit, Adipositas offiziell als Diagnose in den Krankheitskatalog aufzunehmen. Von der WHO wird Übergewicht bereits seit 1936 als Erkrankung angesehen.
Die beiden Experten erhoffen sich, durch diesen Schritt die Schuld vom Rücken der betroffenen Patienten zu nehmen, denn nach wie vor wird Adipositas fälschlicherweise häufig als selbstverschuldetes Übel angesehen. Dabei zeigt die Evidenz ganz klar, dass Körpergewicht, Fettverteilung und das Risiko für Adipositas-Komplikationen maßgeblich genetisch determiniert sind. Der rapide Anstieg in der Adipositas-Prävalenz in der heutigen Zeit ist dagegen hauptsächlich auf Veränderungen von Lebensmittelangebot und -preisen und körperlichen sowie sozialen Faktoren zurückzuführen. Die Schuld liegt also keineswegs immer beim Patienten.
Übergewicht als Erkrankung zu definieren, könnte helfen, das Stigma zu reduzieren und die Scheu mancher Patienten abzubauen, sich ärztliche Hilfe zu suchen. Auf diese Weise könnte man ihnen schneller und effektiver helfen, als es heute oft der Fall ist. Denn im Schnitt vergehen etwa sechs Jahre, bis ein übergewichtiger Patient das Thema beim Arzt anspricht. Aus Angst vor Diskriminierung und aus Schuldgefühlen versuchen es sehr viele Übergewichtige heute zunächst mit Trend-Diäten oder nicht-verschreibungspflichtigen Diätpräparaten.
Bis wir nicht akzeptieren, dass Adipositas eine Erkrankung ist, werden Patienten auch weiterhin dem Glauben erliegen, dass sie sich „einfach nur mehr Mühe geben müssten“, um erfolgreich abzunehmen, warnen die Experten.

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