Oft ist viel Zuspruch nötig | Apotheken-Depesche 7/2011

Periorale Dermatitis: Erst mal alles weglassen

Die periorale Dermatitis ist eine relativ häufige entzündliche Haut- erkrankung, oft bei Patienten mit Rosazea, aber mit weniger Inflammation. Das einprägsamste Synonym ist „Stewardessenkrankheit“ – es verweist auf Kosmetika als möglichen Auslöser. Besonders oft in der Anamnese finden sich Kortikoide.

Die Läsionen einer perioralen Dermatitis treten als gruppierte follikuläre rötliche Papeln, Papulovesikeln und Papulopusteln auf, die sich auf erythematösem Grund befinden und evtl. konfluieren. Die Papeln und Pusteln sind v. a. perioral lokalisiert. Hauptmanifestationsorte sind periorales Gebiet, Nasolabialfalten, Kinn und seitliche Region der Unterlider. Oft findet sich ein Rand normaler Haut zwischen den Läsionen und den Lippen. Kleine rosarote Papeln und Pusteln können wochen- bis monatelang auftreten, manchmal mit feinen Schuppen.

Ursachen nicht immer leicht zu finden

Betroffen sind zu ca. 90% Frauen, insbesondere von 20 bis 45 Jahren, selten Kinder. Man nimmt an, dass die Zahl der Männer steigt, da sich die kosmetischen Gewohnheiten ändern.

Bei perioraler Dermatitis können mehrere Ursachen gleichzeitig bestehen; andererseits lässt sich aber nicht immer ein eindeutiger Auslöser eruieren. Die Beziehung zum Fehlgebrauch potenter Kortikoide steht fest, (z. B. unkritischer Einsatz topischer Steroide wegen geringer Hautveränderungen). Auslöser können auch Steroidsprays für Nase oder Bronchien sein.

Andere häufige Ursachen sind fluorierte Zahnpasta, übermäßiger Gebrauch „schwerer“ Gesichts- und Feuchtigkeitscremes, besonders auf Paraffin- oder Vaseline-Basis, und der Hilfsstoff Isopropylmy­ristat. Physikalische Faktoren wie UV-Licht, Hitze und Wind verschlimmern das Leiden. Infektionen wurden oft als mögliche Auslöser angesehen. In Kulturen von Läsionen fanden sich u. a. fusiforme Bakterien und Candida sowie andere Pilze. Die klinische Relevanz ist nicht klar. Hormonale Faktoren werden angenommen (Pilleneinnahme; prä­mens­truelle Verschlechterung). Weitere Faktoren sind u. a. gastrointestinale Störungen (Malabsorption), emotionaler Stress, Musikinstrumente und Lippenstift.

Nulltherapie: Kortikosteroide absetzen

Der erste Therapieschritt ist das Absetzen aller topischen Steroide, das meist zu einem Rezidiv der Hautläsionen führt (manche Ärzte geben bei Rebound Hydrocortison, andere schleichen die Kortikoide aus). Der Behandelnde sollte darauf bestehen, dass alle Kosmetika, Seifen, Detergenzien, Feuchtigkeits­cremes, Abrasiva, Adstringenzien, Tag- oder Nachtcremes und Hautconditioner aufgegeben werden. Betroffene sollten sich nur mit Wasser waschen, manche sagen, mit den Fingern.

Diese „Nulltherapie“ fällt vielen Patienten sehr schwer, daher sollte topisch mit neutralen Cremes und Kompressen (z. B. mit Kamillentee oder physiologischer Kochsalzlösung) behandelt werden. Manche Patienten sind von Kortikoiden abhängig und brauchen entsprechende Hilfe. Die Betroffenen müssen wissen, dass mit Exazerbation zu rechnen ist und die Besserung Wochen dauern kann.

Therapie mit Antibiotika

Die zweite Maßnahme ist die Suppression bakterieller Haarfollikel-Infektionen mit Antibiotika-Einnahme. Unter lokalen Steroiden ist z. B. Propionibacterium acnes deutlich vermehrt. Verwendet werden lipophiles Erythromycin und (nicht für Kinder) Tetrazykline. In refraktären Fällen können niedrige Dosen Isotretinoin p. o. helfen* (Schwangerschaftsverhütung!). In leichteren Fällen kann neutrale lokale Therapie mit topisch entzündungshemmend wirkenden Substanzen in fettfreiem Träger kombiniert werden. Metronidazol wirkt hier v. a. antiphlogis­tisch und immunsuppressiv. Es kommen auch andere Antibiotika und bestimmte Aknemittel in Frage. Topika gegen Juckreiz müssen kortikoidfrei sein. SN

*Laut Rote Liste topisch kontraindiziert, p. o. keine Indikation

Differenzialdiagnostik
Bei der Differenzialdiagnose muss der Arzt
die periorale Dermatitis u. a. abgrenzen
von:
seborrhoischer Dermatitis: v. a. hinter dem
Ohr, i. d. Nasolabialregion, an Brauen und
Kopfhaut; Hauptsymptom Schuppung
Rosazea: i. d. R. zentrofaziale Erkrankung,
keine Komedonen, i. d. R. Rhinophym
Acne vulgaris: Komedonen, Papeln, Pusteln,
Knötchen, Zysten; betrifft jüngere Menschen
Polymorpher Lichtdermatose: juckende rote
Papeln, Bläschen oder Plaques nach Sonnen-
exposition
Kontaktdermatitis: (allergisch und durch
Reizung) Rand des Ausschlags taucht in die
normale Haut ein
Cheilitis durch Lippenlecken: häufig bei Kin-
dern; Schuppen, gut abgegrenzter Rand
Quelle: Lipozencic J et al.: Perioral dermatitis, Zeitschrift: CLINICS IN DERMATOLOGY, Ausgabe 29 (2011), Seiten: 157-161

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