Gewichtsreduktion | NATUR+PHARMAZIE 3/2020

Weg mit dem Speck

Glaubt man den Statistiken, ist fast die Hälfte aller Deutschen übergewichtig. Daran sind nicht nur allein die Gene Schuld, sondern auch unser verändertes Essverhalten und die steigende Bewegungsarmut.
Übergewicht zählt mittlerweile zu den wichtigsten Gesundheitsproblemen. Die mit Übergewicht einhergehenden Risiken sind hinlänglich bekannt. Angefangen von kardiovaskulären Risikofaktoren wie Vorhofflimmern, Hypertonie, koronare Herzkrankheit oder ischämischerr Schlagannfall, bis hin zu Diabetes mellitus, Arthrosen oder einem gesteigerten Karzinomrisiko – ganz zu schweigen vom persönlichen Leidensdruck und der eingeschränkten Lebensqualität. Die WHO definiert Adipositas sogar als chronische Erkrankung mit eingeschränkter Lebensqualität und hohem Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko. In Deutschland ist vor allem auch ein Anstieg bei der jüngeren Altersgruppe zu verzeichnen. Doch wann spricht man eigentlich von Übergewicht und wann von Adipositas?
 
BMI
Eine wichtige Richtgröße stellt der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) dar. Dieser berechnet sich aus Körpergewicht (in kg) / Körpergröße (in Meter zum Quadrat). Als Faustregel gilt, dass Personen ab einem BMI über 25 als übergewichtig gelten und ab einem BMI von 30 als adipös. Meist korreliert der BMI mit dem Körperfett, allerdings ist immer eine individuelle Bewertung sinnvoll, da ein Anteil des Körpergewichts auch aus Muskelmasse oder erhöhtem Wasseranteil (Ödemen) bestehen kann. Auch muss bei der Betrachtung das Alter berücksichtigt werden, da mit höherem Alter der wünschenswerte BMI steigt und ein BMI unter 22 das Mortalitätsrisiko erhöht.
 
Körperfettverteilung
Für eine valide Abschätzung des Übergewichts sollte also ebenfalls die Fettverteilung berücksichtigt werden, da sie das Risiko für Folgeerkrankungen, wie kardiovaskuläre Risiken, wesentlich bestimmt. Ein Taillenumfang von 88 cm bei Frauen sowie ein Taillenumfang von 102 cm bei Männern gilt bereits als adipös. Auch gibt der Waist-to-Hip Index eine ungefähre Richtgröße. Übersteigt das Verhältnis von Taillenumfang zu Hüftumfang bei Männern den Wert 1,0 und bei Frauen den Wert 0,85 , kann von Übergewicht gesprochen werden.
 
Regulation von Stoffwechsel und Körpergewicht
Stoffwechsel und Körpergewicht werden über ein komplexes System gesteuert. Die zentrale Steuerung übernimmt der Hypothalamus sowie Hormone und hormonähnliche Peptide. Die Lenkung des Appetits geht vom limbischen System aus. Für die langfristige Regulation des Körpergewichts spielt Leptin eine sehr wichtige Rolle. Leptin ist ein von Fettzellen gebildetes Hormon, welches durch eine gesteigerte Blutzucker-Konzentration ausgeschüttet wird. Über das Blut gelangt es zum Zwischenhirn, dockt dort an spezielle Rezeptoren an und löst ein Sättigungsgefühl aus. Bei adipösen Personen ist wohl dieser Mechanismus gestört, es liegt eine Leptinresistenz vor. Neben diesem System existieren noch eine Reihe weiterer Mechanismen und Sättigungssignale, die entlang des gesamten Magen-Darm- Trakts ausgesendet werden. Doch auch unabhängig vom BMI-Status kann ein Diät-Wunsch und damit auch ein Beratungsbedarf in der Apotheke gegeben sein.
 
Abnehmen aber richtig
Mittlerweile gibt es zahlreiche Diäten und Diätkonzepte. Low-fat-Diäten wie Weight Watchers oder Fit-for-Fun-Diät, aber auch Diäten mit niedriger Kohlenhydratzufuhr wie die Glyx-Diät bieten unterschiedliche Ernährungsstrategien.
Langfristiges Abnehmen beinhaltet jedoch immer folgende drei Säulen: Bewegung, Verhaltensänderung und Ernährungsumstellung. Grundlage aller Programme ist immer die Kalorienreduzierung. Extreme oder einseitige Diäten mit nur 1.000 kcal / Tag führen zu keinem dauerhaften Erfolg. Zudem ist es wichtig, dass die Diät abwechslungsreich und ausgewogen gestaltet ist. Abnehmwilligen sollte erläutert werden, dass eine langsame Gewichtsreduktion von 1 – 3 kg pro Monat zu wirksameren und längerfristigen Ergebnissen führt, als eine rasche Gewichtsreduktion. Auch sollten immer realistische Ziele angesetzt werden. Ebenfalls wichtig ist es, eine neue und gesunde Ernährungsweise inklusive Verhaltensänderung zu erlernen.
 
Wie sehen richtige Ernährungsgewohnheiten aus?
Wie gesunde und ausgewogene Ernährungsgewohnheiten auszusehen haben, hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in zehn Regeln formuliert.
 
1. Ausgewogen und abwechslungsreich ernähren
Eine ausgewogene Ernährung enthält eine bunte Auswahl aus allen Lebensmittelgruppen: Getreide und Kartoffeln, Gemüse, Obst, Milch und Milchprodukte, Fleisch, Fisch und Eier, Öle und Fett sowie Getränke.
 
2. Möglichst fünf am Tag!
Möglichst täglich drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst essen. Obst und Gemüse versorgen den Körper mit Nährstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen und sollten den mengenmäßig größten Teil einer vollwertigen Ernährung ausmachen.
 
3. Vollkornvarianten bevorzugen
Vollkornprodukte stellen eine wichtige Energiequelle dar, sättigen länger und enthalten mehr Nährstoffe als Weißmehlprodukte. Daher sollte bei Brot und Nudeln möglichst auf Vollkornprodukte zurückgegriffen werden. Die darin enthaltenen Ballaststoffe senken zudem das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Dickdarmkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die DGE empfiehlt zwei Scheiben Vollkornbrot, 100 g gekochte Vollkornnudeln oder vier gehäufte Esslöffel Haferflocken, um die Hälfte der täglichen Ballaststoffmenge zu erreichen.
 
4. Tierische Produkte richtig wählen
Der tägliche Verzehr von Milch und Milchprodukten liefert gut verfügbares Protein, Vitamin B2 und Calcium. Dabei sollten möglichst fettarme Produkte wie Magerquark, Milch oder Joghurt mit 1,5 % Fett gewählt werden. Fisch, ein guter Omega- 3-Fettsäuren-Lieferant, sollte 1–2mal pro Woche, jedoch Fleisch nicht mehr als 300–600g pro Woche verzehrt werden. Beim Fleisch sollte auf möglichst wenig verarbeitete Ware zurückgegriffen werden und der Anteil an weißem Fleisch wie Geflügel und Huhn überwiegen.
 
5. Pflanzliche Fette bevorzugen
Statt Butter und anderer tierische Fette lieber pflanzliche Produkte wählen. Rapsöl enthält den geringsten Anteil an gesättigten und einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren. Desweiteren enthält es alpha-Linolensäure und Vitamin E. Weitere empfehlenswerte Öle sind Walnuss-, Soja-, Oliven- und Leinöl. Margarine ist generell Butter vorzuziehen.
 
6. Zucker und Salz sparsam einsetzen
 
7. Ausreichend trinken Täglich 1,5 Liter Wasser oder andere kalorienfreie und ungesüßte Getränke trinken. Dabei Alkohol, zuckerhaltige Getränke wie Limonaden oder Säfte vermeiden.
 
8. Lebensmittel schonend zubereiten – lieber garen als frittieren
 
9. Achtsam essen und Pausen für Mahlzeiten einplanen
 
10. In Bewegung bleiben
Täglich 30–60 Minuten körperliche Aktivität helfen dabei, das Gewicht zu regulieren und senken das Risiko für Herz- Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schlaganfall oder Diabetes mellitus sowie Adipositas. Jede Form der Diät sollte daher mit einem aktiveren Alltag einhergehen. Wichtige Tipps sind daher: Nach Möglichkeit laufen und das Auto stehen lassen, Treppensteigen anstatt den Aufzug zu nutzen und Abends eine Runde Spazierengehen.
 
Entschlackung
Für einen ausgewogenen Säure-Base- Haushalt und zur Aktivierung des Stoffwechsels gibt es einige Präparate mit Gemüse- und Obstbasen, Zeolith oder basischen Pulvern enthalten. Zur Entwässerung eignen sich Zubereitungen mit Birkenblättern, Brennessel, Hauhechelwurzel oder Gartenbohnen sowie Schachtelhalm, Petersilie und Zinnkraut wie beispielsweise Biofax® (Strathmann), Aqualibra® (Medice), NYRAX® (Heilpflanzenwohl) oder Kneipp® Entwässerungskapseln (Kneipp).
 
Detox
Zur Entgiftung eignen sich Grüntee, Entschlackungs- und Entgiftungstees, Heilerde-Präparate oder Zubereitungen aus grünem Hafertee, welche die Ausscheidung von Stoffwechselabbauprodukten fördern.
 
Formula-Diäten
Als Start in die Gewichtsreduktion eignen sich Formula-Diäten wie Optifast® (Nestle) yokebe® (Naturwohl Pharma) Almased®, Beavita® Vitalkost (nu3), formoline® eiweiß-diät (Certmedica), Multan® (Weber & Weber) oder nu3® Fit Shake (nu3).
Formula-Diäten sind Nährstoffgemische in Pulver- oder Granulatform, die mit Wasser oder unter Zusatz von Magermilchprodukten zu Drinks oder Suppen zubereitet werden können. Sie erleichtern die tägliche Begrenzung der Kalorienzufuhr und enthalten dabei alle notwendigen Nährstoffe wie essenzielle Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Der Protein-Anteil wird je nach Produkt beispielsweise durch pflanzliches Eiweiß aus Soja oder tierischem Eiweiß aus Joghurt sichergestellt. Eine Abdeckung an essenziellen Fettsäuren empfiehlt sich durch Zugabe von Raps-, Lein-, oder Walnussöl.
Bei all diesen Produkten werden zu Beginn der Diät zwei bis drei Hauptmahlzeiten ersetzt. Die Shakes gibt es mittlerweile in zahlreichen Geschmacksrichtungen, somit ist für jeden Gusto etwas dabei. Für die neutralen Sorten liefern eine Fülle an sowohl süßen als auch herzhaften Rezepten Abwechslung.
 
Quellmittel
Quellmittel, wie Ballaststoffe, Zellulose, Alginat oder Kollagen, quellen im Magen und dämpfen das Hungergefühl. Diese Produkte können bei einer Ernährungsumstellung nützen. Darüberhinaus bindet Chitosan Fette im Darm, sodass deren Resorption verhindert wird. Schalentier- Allergiker sollten allerdings auf Chitosan verzichten. Darüberhinaus ist ein zeitlicher Abstand von mindestens vier Stunden zu anderen Arzneimitteln einzuhalten. Beispiele für Quellmittel aus der Apotheke wäre Bionorm® BodyLine (Quiris) oder Refigura® (Heilpflanzenwohl).
 
Lipidbinder
Weitere Präparate enthalten Faserstoffe wie beispielsweise Polyglucosamin und binden die aufgenommenen Nahrungsfette im Magen-Darm-Trakt, wodurch diese nicht mehr dem Körper zur Verfügung stehen. Diese Produkte unterstützen also bei der Diät, ohne dass auf Fett als Geschmacksträger verzichtet werden muss. Dennoch ist es ratsam, den Fettverzehr auf 60–80 g täglich zu reduzieren und den Anteil an ungesättigten Fettsäuren sicherzustellen. Ein Beispiel für einen Lipidbinder wäre Formoline L112®. Zur Gewichtsabnahme werden zweimal täglich jeweils zwei Tabletten gegen Ende der Mahlzeiten und zur Gewichtskontrolle zweimal täglich jeweils eine Tablette eingenommen.
 
Lipasehemmer
Orlistat ist ein Lipase-Hemmer, durch den im Darm gut ein Viertel der aufgenommen Fette unverdaut ausgeschieden werden. Da dies zu unangenehmen Fettstühlen führt, empfiehlt sich die Einnahme von Orlistat nur in Verbindung mit einer Umstellung zu einer fett- und kalorienreduzierten Ernährung und erst ab einem BMI von 28. Erwachsene ab 18 Jahren nehmen dreimal täglich eine Kapsel ein.

Kommentar

Allen Diätprogrammen liegt eine Reduktion der zugeführten Kalorien zugrunde. Um jedoch einen langfristigen Erfolg zu erzielen, ist es wichtig, eine gesunde Ernährungsweise zu erlernen. Ein aktiver Alltag mit ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung gehören dabei zu den notwendigen Verhaltsänderungen.

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?

Anzeige

Der Magen: Funktionen, Dysfunktionen und Therapien

Stechend, ziehend oder doch eher drückend? Magenschmerz hat viele Gesichter. Wo entstehen aber die Probleme und wie kann Iberogast® helfen? Erfahren Sie mehr im Video.

Anzeige